EKO-Start › Traditionelles Kung Fu › Südliche Stile › Weißer Kranich

Weißer Kranich (Bak Hok)

   

Unter Kampfkunstkennern zählt der Kranich-Stil (Bak Hok, Lama,Stil, Hop Gar) zu den schönsten und elegantesten Kung Fu-Stilen überhaupt. Seine Techniken und Kampfprinzipien sind darüber hinaus deswegen interessant, weil er sich völlig unabhängig von den Shaolin-Techniken entwickelt hat.

Geschichte
Prinzipien

Inhalte des Stils
Basis-Formen
Weitere Formen
Waffen im Kranich-Stil

Stammbaum des Weißer Kranich-Stils

 

Geschichte

Die Ursprünge des Kranich-Stils liegen in lamaistischen Klöstern in Tibet, wo der Stil im 15. Jahrhundert vom Mönch Adato (*1426) entwickelt wurde. Der Legende nach hatte er in jahrelanger Abgeschiedenheit eine solche Einheit mit der Natur erreicht, dass ihm die Beobachtung von Kranichen die entscheidenden Einsichten für die Entwicklung des Kranich-Stils zu vermitteln vermochte.
In den ersten Generationen wurde der Stil ausschließlich in Lama-Klöstern weitergegeben, erst auf einer Reise nach Süd-China brachten der Mönch Hsing Lung und seine vier Schüler die bis dahin geheimgehaltene Kunst nach Kwantung. Fünf Meister, erstmals keine Mönche, setzten die Tradition in Süd-China fort. Der bekannteste von ihnen war Meister Wong Lam Hoi, der mit dem legendären Hung Gar-Meister Wong Fei Hung trainierte und sich für zwei Fünf-Tiere-Formen inspirieren ließ, die Hung Gar-Elemente enthalten.

 

Prinzipien

Der Kranich-Stilist vermeidet absichtlich den Kontakt zum Gegner. Stattdessen ermöglicht die flinke Beinarbeit, dem Gegner auszuweichen und von der Seite die blitzschnellen Schläge (wie die Flügelschläge des Kranichs) anzubringen. Hinzu kommt, dass sich keine Technik im Ansatz andeutet. Selbst unmittelbar vor seinen wuchtigen Techniken zeigt der Kranich-Stilist absolute Entspanntheit.
Dieser Wechsel von absoluter Entspannung und explosivem Krafteinsatz wird erreicht durch Atemtraining, spezielle Atemformen und umfangreiches Kranich-Qigong.
Manche Schläge werden mit den Fingerspitzen (dem sogenannten Kranich-Schnabel »hok bek«) ausgeführt, wodurch die gesamte Kraft punktuell an Vitalpunkten zur Geltung kommen kann.
Im chinesischen Symbolismus steht der Kranich für Unsterblichkeit und durch sein weißes Federkleid für absolute Reinheit. Seit jeher haben die Lama-Mönche und alle folgenden Kranich-Stilisten sehr viel Wert darauf gelegt, diesem Ideal gerecht zu werden; Integrität, Friedfertigkeit und Ehrenhaftigkeit sind für sie besonders bedeutsam.

 

Trainingsinhalte

Die lange Abgeschiedenheit des Kranich-Stils in Tibet hat dazu geführt, dass seine Grundlagen sich völlig unbeeinflusst von Shaolin-Techniken entwickeln konnten. Deswegen besitzt der Stil bis heute eine klare eigenständige Systematik, Fundament für alle Techniken (und sogar die Waffentechniken) sind 12 Grundtechniken.
Die schwierige Kampftheorie des Kranich-Stils erfordert ein langes Training der 12 Grundtechniken. Die Hälfte übt der Schüler in der ersten Handform »Lok Lek Kuen« (die Form der 6 Kräfte). Die Lehrer der EKO achten im Training darauf, dass bereits Anfänger die verschiedenen Kranich-Schläge kraftvoll und gezielt einsetzen lernen (z.B. mit Schlagpolstern).

Nach der »Lok Lek Kuen« werden die Kranich-Formen im Vergleich zu anderen Kung Fu-Formen außerordentlich gehaltvoll und komplex, die meisten Formen enthalten mehr als 100 Techniken. Auch hier greift das besondere EKO-Konzept, diese Formen speziell vorzubereiten.

Im Unterschied zu vielen anderen Kung Fu-Stilen, in denen die Formen sehr viele Wiederholungen enthalten und neue Formen oftmals keine Technikfortschritte mehr mit sich bringen, hat man bei den Kranichformen oftmals den Eindruck, als ob man mit einer neuen Form eine neue Trainingskammer des Klosters betrete.

Die Basis-Formen:

1. Lok Lek Kuen
(Form der Sechs Kräfte)

2. Tsot Yab Bo
(Form des Heraus- und Hereinschreitens)

3. Wan Hsing Sao
(Hände so schnell wie Kometen)

4. Tit Lin Kuen
(Eisernes Ketten-Boxen; die Form enthält schwierige Rhythmuswechsel, sie beinhaltet weit über 100 Techniken)

5. Bak Hok Kuen
(Weißer Kranich-Boxen)

6. Siu Ng Yin Kuen
(Kleine Fünf Tiere Form in Anlehnung an Hung Gar-Formen, reine Atemform mit dem Tiertechniken Tiger, Kranich, Schlange, Leopard, Drache; anspruchsvoll sind die Wechsel zwischen entspannten, langsamen und schnellen, harten Techniken)

7. Dai Ng Yin Kuen
(Große Fünf Tiere Form in Anlehnung an die berühmte Tiger-Kranich- Form des Hung Gar-Stils)

weitere Bestandteile des Stils sind z.B.

die 9. Handform Deih Sat Kuen (Bodenkampf-Boxen)

die 12. Handform Kam La Sao Kuen (Qin Na - Kampfform)

die 15. Handform Chuei Lo Hon Kuen (Betrunkener Buddha Boxen; in der Shaolin-Tradition unterrichtet jede Schule auch Techniken des Betrunkenen Boxens)


die berühmte Min Loi Sam Kuen (Die Nadel in Baumwolle einwickeln; ist eine der höchsten Kranich-Formen, sie ist eine Qigong -Form und soll dem Kranich-Stilisten auf der höchsten Stufe absolute Entspannung verleihen)

Waffen des Kranich-Stils sind

Säbel, Langstock, Schwert, Große Hellebarde, Schmetterlingsmesser etc.

Als eine der höchsten Waffen werden Sai-Gabeln unterrichtet, die sonst im traditionellen Kung Fu so gut wie nicht existieren.

 


Säbeltechnik aus der Form Fei Hok Do (Fliegender Kranich-Säbel)


Sifu Buttler zeigt den berühmten Kranich-Schlag Pao Choi


Sifu Buttler zeigt die Technik Tsuen Choi

         
         
   
© EKO | Home | Kontakt | Impressum
Letzte Änderung dieser Seite: 2003-08-17